Filder-Zeitung (Franz Stettmer): Greenhorn-Elf düpiert den Titelfavoriten

Rudi Scherrle, 31.08.2021

Filder-Zeitung (Franz Stettmer): Greenhorn-Elf düpiert den Titelfavoriten

Acht U-21-Kicker und in der Abwehrzentrale ein A-Jugendlicher – dennoch gelingt dem TSV Bernhausen die Überraschung des ersten Spieltags der Bezirksliga-Saison. Andernorts ist man weniger glücklich mit dem Start. Und bei einem Filderclub knirscht es sogar im Trainerteam.

Franz Stettmer von der Filder Zeitung - Ausgabe 31.8.2021 (Foto: Dural)

Sieht so aus, als hätte sich einiges an Torhunger angestaut gehabt. Nach ihrer coronabedingten Rekordpause von 306 Tagen hat sich die Stuttgarter Fußball-Bezirksliga jedenfalls höchst trefferreich zurückgemeldet. 35-mal zappelte der Ball am aktuellen ersten Spieltag im Netz. Das aus Fildersicht größte Ausrufezeichen setzte der TSV Bernhausen, dessen Greenhorn-Elf dem Aufstiegsmitfavoriten TSV Musberg gleich einmal zeigte, welcher Wind ihm in dieser Saison entgegenblasen wird. Endstand: 3:0. Ebenso zu Siegen kamen der SV Vaihingen, bei dem jedoch ein Zerwürfnis im Trainerteam für Ärger hinter den Kulissen sorgt, und der TSV Rohr. Letzterem gelang beim Start das wohl spektakulärste Tor.Das breiteste Grinsen hatten sie freilich beim TSV Bernhausen im Gesicht. Umso mehr, weil am Fleinsbach zuvor manch einer ein eher flaues Gefühl in der Magengegend gehabt haben mag. Mehrere Leistungsträger nicht dabei, dafür gleich acht U-21-Spieler in der Anfangsformation. Nicht nur das: in Julian Schock von den eigenen A-Junioren ein 17-jähriger Debütant in der Innenverteidigung. Konnte das gut gehen?

Es konnte, wie sich dann auf dem Rasen zeigte. Und wie! So sehr, dass am Ende sogar der eigene Trainer ungläubig den Kopf schüttelte. „Klar habe ich Vertrauen zu den ganz Jungen“, sagt Christopher Eisenhardt, „aber dass sie schon so gut spielen würden, hätte ich nicht gedacht.“ Unter dem Strich stand wie erwähnt ein 3:0. Und das nicht gegen irgendeinen Gegner, sondern gegen eine der beiden am höchsten gehandelten Mannschaften fürs Titelrennen dieser Saison. Greenhorn-Elf düpiert Meisterschaftsfavorit. Die beiden Ex-Echterdinger Agonis Berisha und Aris Charalampidis schossen einen auch in der Höhe nicht unverdienten Sieg heraus. Berisha profitierte früh von einem Missverständnis in der Musberger Verteidigung – der Abwehrchef Dennis Zschorsch und der Keeper Simon Hochschein waren dabei auf Gästeseite die Bedröppelten. Und Charalampidis machte zuletzt mit einem Doppelpack den Deckel drauf.

Was zur Ehrenrettung des TSV Musberg anzumerken ist: die Umstände waren insgesamt speziell. Überhaupt war es das Duell zweier Mannschaften, denen diverse Stammkräfte fehlten. Urlauber, Verletzte, Kranke, sonstig Verhinderte. Allein die Namen der Ausfälle hätten zur Zusammenstellung einer Bezirksauswahl gereicht. Um nur einige zu nennen: hüben Mahir Ege, Onur Aycil und Alperen Albayrak (Anmerkung: und  der erkrankte Yasin Arslan - gute Besserung Yasin!), drüben Marc Wiederoder, der Wiedereinsteiger Michael Simon, Lukas Zug und Michael Rath. Die einen verkrafteten die Verluste besser, die anderen weniger. Die Tatsache, dass sein Team sich in der Partie keine einzige klare Torchance erspielte, kommentiert Eisenhardts Gegenüber Jaroslav Kostenko so: „Wir haben gut verschoben, gut zugestellt, aber nach vorne keine Gefahr ausgestrahlt.“ Daran gelte es zu arbeiten. Auch, um nun einen wirklichen Fehlstart zu vermeiden.

Einstweilen will Kostenko ob der geschilderten personellen Voraussetzungen davon noch nicht sprechen – eher schon Eisenhardt von einem Traumbeginn. Das Durchschnittsalter der zehn Bernhausener Feldspieler lag bei 20,8 Jahren. „Die junge Bande ist um ihr Leben gerannt“, sagt der Coach. Und sie hat das erste dicke Ausrufezeichen dieses Spieljahrs gesetzt. So kann es weitergehen. 

Filder Zeitung - Ausgabe 31.8.2021 (Foto: Dural)
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