Filder-Zeitung: Zweimal Rot – und dann ein Debütant als Derbyheld

Rudi Scherrle, 16.11.2021

Filder-Zeitung: Zweimal Rot – und dann ein Debütant als Derbyheld

Sowohl dem TSV Musberg als auch dem TSV Bernhausen gelingen in der Fußball-Bezirksliga Last-Minute-Siege. Groß ist der Frust bei drei anderen Filderclubs.

Franz Stettmer und Harald Landwehr

Ob am Ende beide Seiten erst einmal zu Baldriantropfen gegriffen haben, ist nicht bekannt. Es war jedenfalls ein Spiel, das für sich allein reichen müsste, den Monatsbedarf sämtlicher Adrenalinjunkies der Staffel abzudecken. Zwei Elfmeter, zwei Platzverweise, sieben Tore, dazu der Last-Minute-Siegtreffer durch einen Debütanten – was für ein Derby zwischen dem TSV Musberg und dem TSV Rohr! Freilich, um den eigentlichen Erfolgslorbeer geht es in der Stuttgarter Fußball-Bezirksliga weiter andernorts. Nach dem zwölften Spieltag kristallisiert sich eines mehr und mehr heraus: Den inoffiziellen Halbzeitmeistertitel machen an den verbleibenden Wettbewerbswochenenden des Kalenderjahrs drei Mannschaften unter sich aus. Die Frage ist: Spvgg Cannstatt, Croatia Stuttgart oder TSV Bernhausen? Letzterer landete am Sonntag ebenfalls einen späten Lucky Punch. Wenn’s mal läuft, dann läuft’s, heißt es so schön. Dann klappen selbst Dinge, bei denen man sich in anderen Zeiten die Beine verknoten würde. Oder es kommt ein solches Herzschlag-Happyend heraus wie an diesem Wochenende. Selten einmal dürfte für die Kicker des TSV Bernhausen der Grat von Hopp zu Top schmaler gewesen sein. Zwischen zweiter Saisonniederlage und erneutem Sieg lagen zuletzt nicht einmal 100 Sekunden. Ausgeschlagen hat das Pendel schließlich zugunsten der Filderstädter, die bei der Sportvg Feuerbach einen ebenso späten wie umjubelten 2:1-Auswärtserfolg landeten. Der Nervenstärke Alperen Albayraks sei Dank. Der Routinier verwandelte in der fünften Minute der Nachspielzeit einen an ihm selbst verursachten Elfmeter. Nur wenige Momente zuvor war dem Trainer Christopher Eisenhardt noch mit Blick auf die andere Seite der Atem gestockt. Da hatten die Gastgeber frei stehend die Riesenchance zur eigenen Führung vergeben.

„Das gerechteste Ergebnis wäre ein Unentschieden gewesen“, sagt Eisenhardt. Dass es dann noch drei Punkte geworden sind? Danke, gern. „Für die Stimmung“, weiß der Coach, „ist das natürlich richtig gut.“ Und auch in der Tabelle, in der seine Mannschaft dem Spitzenreiter Spvgg Cannstatt somit dicht auf den Fersen bleibt. Wie gesagt: vorne hat sich mittlerweile ein Trio abgesetzt, und die Bernhausener sind mittendrin.

Zum aktuellen Spielglück gehörte dabei, dass sie im zweiten Durchgang ein überhaupt gegnerisches Powerplay weitgehend unbeschadet überstanden. Eisenhardts Beobachtung: „So wie da sind wir in dieser Saison noch von keinem Gegner hergespielt worden.“ Folgerichtig war der Feuerbacher Ausgleichstreffer gewesen, erzielt ebenfalls per Strafstoß nach einem Foulspiel von Julian Schock. Zunächst, in Hälfte eins, hatten die Bernhausener durch Kristijan Cagalj erstmals vorgelegt gehabt, dann aber laut ihrem Coach „den Faden verloren“.Ob es nun gar zur Zugabe reicht, nämlich um als Erster in die Winterpause zu gehen, müssen die drei nächsten Wochenenden zeigen – ebenso, ob von den Verfolgern noch einmal einer heranschnuppern kann.

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