Stuttgarter Z/N Nummer 155 · Freitag, 8. Juli 2022 - Wie Phönix aus der Asche

Rudi Scherrle, 08.07.2022

Stuttgarter Z/N Nummer 155 · Freitag, 8. Juli 2022 - Wie Phönix aus der Asche

Toller Bericht über unsere 1. Mannschaft!

Auszug Bericht von Frank Pfauth STUTTGART.
Dem TSV Bernhausen gelingt nach 35-jähriger Abstinenz die Rückkehr in die Landesliga. Dessen jetzige Erfolgsgeschichte ist umso erstaunlicher, nachdem den Filderstädtern vor zwei Jahren als Bezirksliga-Schlusslicht noch der jähe Absturz gedroht hatte.
Alle 500 Jahre wiederholt sich laut Mythologie das Wunder, dass Phönix aus der Asche emporsteigt und seine Wiedergeburt feiert. Nicht ganz so lange hat es zum Glück für den TSV Bernhausen gedauert, ehe dieser sich in der Fußball-Landesliga zurückgemeldet hat. Der in diesem Fall vergleichsweise kurze Zeitraum: 35 Jahre – was gleichwohl eine Menge Holz ist. Doch dass die Filderstädter nach ihrem in der abgelaufenen Spielzeit erfolgreichen Zweikampf mit der Spvgg Cannstatt und dem damit verbundenen Titelgewinn in der Stuttgarter Bezirksliga nun wieder in dieser Spielklasse vertreten sind, ist eine ebenso höchst wundersame Geschichte. Denn vor zwei Jahren hatte den Fleinsbach-Kickern noch der jähe Absturz in die Kreisliga A gedroht. Das damalige Tabellenschlusslicht hatte lediglich ein einziger Umstand gerettet: Seinerzeit war in der aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochenen Spielzeit 2019/20 die Verbandsentscheidung getroffen worden, dass es keine Absteiger geben wird. Schwein gehabt – doch gleichzeitig war dies auch einer der Schlüsselmomente für den jetzigen Aufschwung des TSV Bernhausen. Ein weiterer Schlüsselmoment aufseiten der „Veilchen“: Die nach dem geglückten Klassenverbleib getätigte Verpflichtung von Christopher Eisenhardt als neuen Chefcoach. Der ehemalige Oberligakicker des VfL Kirchheim, der nach seiner Aktivenzeit den TSV Weilheim sowie den TV Echterdingen jeweils in der Landesliga trainiert hatte, war zurück bei seinem Heimatklub. Für diesen war der heute 38-Jährige bereits in der Jugend am Ball. Seitdem ist eine Menge Wasser den Fleinsbach hinabgeflossen, während zeitgleich die Bernhausener Fußballer dem gegenüber einen beachtlichen Aufschwung genommen haben – und der vor einigen Wochen mit der Übergabe von gleich drei Meisterwimpeln den bisherigen Höhepunktfand. Denn außer der ersten Mannschaft sowie den D-Junioren (sowie B1-Junioren – Meister u. Aufstieg Landesstaffel und B-Juniorinnen – Meister u. Aufstieg Verbandsstaffel) hatte sich auch die „Zweite“ des Vereins den Titel gesichert, die damit in der kommenden Spielzeit in der Kreisliga A vertreten sein wird. Also just in jener Spielklasse, die wie eingangs erwähnt vor zwei Jahren noch der „Ersten“ gedroht hatte. Letztlich ist alles ganz anders gekommen. Und damit zurück zum Anfang dieser Erfolgsgeschichte: Ob er, Eisenhardt, wohlbemerkt ein gewiefter und landesligaerfahrener Trainerfuchs, eigentlich noch alle Latten am Zaun habe, einen derartigen Trümmerhaufen zu übernehmen? Diese oder ähnlich provokante Fragen wurden ihm zu Beginn seines aktuellen Engagements oft gestellt, wie der Coach im Gespräch mit einem Schmunzeln erzählt. Welche Antworten er darauf gab? „Ich sprach davon, welch großes Potenzial der Verein eigentlich hat – wenn man halt nur an den entsprechenden Stellschrauben drehen würde“, sagt der Coach. Inzwischen dürften wohl alle kritischen Fragesteller überzeugt sein, dass „bei mir noch alle Latten am Zaun sind“, sagt Eisenhardt und lacht. Denn dass der Coach und seine nicht weniger emsigen Mitstreiter in der Fußballabteilung seitdem an den richtigen Stellschrauben gedreht haben, scheint klar. Kurz gesagt haben die Bernhausener in den vergangenen zwei Jahren diese Abteilung einmal komplett auf links gedreht und sich dafür jetzt die entsprechende Belohnung abgeholt. „Angefangen hatten wir bei meinem Einstieg mit lediglich sieben Spielern im Kader, den wir dann mit acht Eigengewächsen sowie einigen externen Zugängen verstärkt hatten“, erinnert sich Eisenhardt. In der folgenden Abbruchsaison 2020/21 stand für ihn und sein damaliges Aufgebot ein achter Tabellenplatz zu Buche –ehe dieses in der abgelaufenen Runde durchstarten sollte und schlussendlich der gesamten Konkurrenz die Hacken zeigte und zuletzt in 21 Saisonspielen hintereinander unbesiegt geblieben ist. 24 Siege, fünf Remis sowie eine einzige Saisonniederlage– ein 2:3 gegen den SV Sillenbuch – standen in den 30 Saisonpartien für den somit neuen Meister zu Buche. Wie Eisenhardt selbst seine jetzige Meistermannschaft charakterisiert? „Es war faszinierend zu erleben, wie die Jungs immer mehr und immer besser zu einer echten Einheit zusammen gewachsen sind“, sagt er. Weiterhin meint der Meistercoach: „Die Routiniers und Führungsspieler um unseren Mannschaftskapitän Michel Forzano hatten unseren jungen Wilden im Kader die nötige Stabilität gegeben, die wiederum in ihrem Ehrgeiz kaum zu bremsen waren.“ Zu beobachten sein soll dieser unbändige Ehrgeiz spätestens in der am 6./7.August beginnen Landesliga-Spielzeit, in welcher die Bernhausener wie gesagt nach 35 Jahren nun erstmals wieder am Ball sein werden. Und zum Glück für sie handelt es sich in dieser Geschichte nicht um Mythologie, sondern vielmehr um einen Neustart in alten Gefilden. Wunder dauern bekanntlich länger.

Die höchsten Siege 11:1 gegen TB Untertürkheim (H), 7:0 gegen Türkspor Stuttgart (H), 7:0 gegen TSV Rohr (H), 6:0 gegen SV Vaihingen (A), 8:3 gegen TV Zuffenhausen (H).

Die höchsten Niederlagen 2:3 gegen SV Sillenbuch (H).

Die besten Torschützen Ivan Matanovic (18 Tore), Alperen Albayrak (16), Agonis Berisha (16), Samuel Böhmer (10).

Die Dauerbrenner Luis Miguel Rodrigues (30 Spiele), Henry Alber (29), Julian Schock (29), Kristijan Cagalj (29), Michel Forzano (27), Alperen Albayrak (26), Samuel Böhmer (26)

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