Rote Karte für Gewalttäter - Offener Brief an die wfv-Verein

Rudi Scherrle, 19.03.2010

Rote Karte für Gewalttäter - Offener Brief an die wfv-Verein

 Liebe Fußballfreunde,

während der laufenden Saison finden an jedem Wochenende in Baden-Württemberg annähernd 10.000 Fußballspiele statt. Allein in unserem Verbandsgebiet nehmen etwa 5.000 Begegnungen einen ganz überwiegend problemlosen Verlauf. Fußball verbindet Spieler und Hunderttausende von Zuschauern unterschiedlicher Herkunft und sozialer Prägung in der Freude und der Begeisterung am sportlichen Spiel und dem gemeinsamen Erleben. Fußball trägt so, wie kaum eine andere Sportart oder gesellschaftliche Kraft, maßgeblich zur Gemeinschaft und zur gesellschaftlichen Integration bei.

 

Wir alle wollen, dass dies auch in Zukunft so bleibt und freuen uns bereits jetzt auf spannende Spiele in der nun beginnenden Rückrunde. Mit großer Sorge habe ich in der zurückliegenden Vorrunde feststellen müssen, dass der Fair-Play-Gedanke auf unseren Sportplätzen vereinzelt, aber umso mehr ernsthaften Schaden erleidet. Aggressivitäten von Spielern und Zuschauern wollen wir auf unseren Fußballplätzen jedoch wedererleben noch hinnehmen - nicht zwischen den Spieler untereinander und auch nicht gegenüber unseren Schiedsrichtern, ohne die Fußball nicht stattfinden kann.

 

Ich appelliere deshalb an alle Spieler, Verantwortliche in den Vereinen und unsere Zuschauer, uns in diesem Bestreben aktiv zu unterstützen. Auch wollen wir konkret Maßnahmen ergreifen, die dazu beitragen, dass uns allen auch künftig die ungetrübte Freude am Fußball erhalten bleibt. Deshalb wende ich mich heute mit diesem Brief an Sie. Dabei möchte ich betonen, dass eine latente Gewaltbereitschaft, insbesondere bei Jugendlichen und Heranwachsenden, keineswegs ein spezifisches Problem des Fußballs ist. Wir erleben diese Problematik vielmehr in allen gesellschaftlichen Bereichen - vor allem dort, wo nicht ausreichend gemeinsame Werte vorhanden sind und gelebt werden. Freilich hat der Fußball die besondere Chance und meines Erachtens deshalb auch die besondere Pflicht, Menschen - gleich welcher Nationalität und ungeachtet ihres sozialen und familiären Hintergrundes - zusammenzuführen. Diese Verantwortung, der wir gerecht werden wollen, erfordert eine klare Positionierung gegen Gewalt, Gewaltbereitschaft und Aggressionen. Auch sofern solche Störungen von Zuschauernausgehen, ist ein konsequentes Einschreiten geboten. Beispielsweise ist die Möglichkeit, das Hausrecht auszuüben und Platzverbote auszusprechen, für die Heimvereine ein probates Mittel, klare Signale zu setzen. Treten innerhalb einer Mannschaft oder eines Vereins immer wieder Konflikte auf, die nicht mehr beherrschbar sind, so ist auch externe Hilfe erforderlich. Wir machen weshalb bereits seit Jahren zahlreiche Angebote, die bislang allerdings doch recht selten angenommen werden. Bitte scheuen Sie sich nicht, auf unsere Konfliktmoderatoren und Schulungsangebote zum Fairnesstraining zurückzugreifen. Gerne stellen wir Ihnen hierzu auch Arbeitsmaterialien zur Verfügung.

Wir haben in unseren Gremien aber auch weitere konkrete Schritte vereinbart:

 

  • Um die Sicherheit und Platzdisziplin zu gewährleisten, ist es unumgänglich, dass jeder Verein einen Ordnungsdienst bereit hält, der auch deutlich sichtbar in Erscheinung tritt. Hierzu haben wir weitergehende Ordnungsänderungen vorbereitet, die bereits gegenwärtig bestehende Verpflichtungen konkretisieren.
  • Darüber hinaus haben wir verabredet, verstärkt darauf hinzuwirken, dass überall privat- oder öffentlich-rechtliche Platzordnungen erlassen werden, die ein Vorgehen gegen Störer erleichtern.
  • Außerdem wollen wir für die Zukunft die Möglichkeit schaffen, wiederholt auffälligen Vereinen und Mannschaften die Zulassung zum Spielbetrieb zu entziehen bzw. die weitere Teilnahme von der Erfüllung von Auflagen abhängig zu machen. Wir werden insoweit verpflichtende Seminare anbieten und damit auch die jeweils Verantwortlichen direkt in die Pflicht nehmen.


Ich hoffe sehr, dass es uns auf der Grundlage dieser Vorstellungen und mit Ihrer Hilfe gelingt, der Gewalt und der Aggression auf unseren Fußballplätzen mit Erfolg zu begegnen. Selbst wenn wir uns auch insoweit vor Illusionen hüten müssen, wollen wir der Gewalt auf den Fußballplätzen „die rote Karte zeigen". Wir stehen dabei nicht allein, sondern kooperieren eng mit Anderen zusammen, die wie wir für ein friedliches soziales Miteinander eintreten. Wir führen deshalb gemeinsam mit dem Badischen und dem Südbadischen Fußballverband Gespräche mit der Polizei des Landes Baden-Württemberg und dem Landespolizeipräsidenten Dr. Wolf Hamann, um eine noch engere Zusammenarbeit des Fußballs auch mit den staatlichen Polizeidienststellen zu erreichen.

Lassen sie mich auch bei dieser Gelegenheit betonen, wie wichtig Ihr großes Engagement und Ihr persönlicher Einsatz für den Fußball sind. Dafür möchte ich Ihnen auch an dieser Stelle sehr herzlich danken. Sie alle leisten mit der Arbeit in Ihren Vereinen viel für den Fußball, aber auch für die gesamte Gesellschaft, die natürlich auch „unsere" ist. Wir wollen dies auch künftig nach Kräften gemeinsam tun.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Herbert Rösch