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Wie Phönix aus der Asche?

Steffen Sandherr, 13.09.2020

Wie Phönix aus der Asche?

Beim TSV Bernhausen gilt: alles neu. Für die Wende hat der bisherige Letzte geklotzt statt gekleckert.

Bericht:

StuttgarterNachrichten, Filder-Zeitung-Leinfelden-Echterdingen/Filderstadt vom 12.09.20, S. 45 von Franz Stettmer

Da ist kurz Stille am anderen Ende der Leitung. Christopher Eisenhardt muss offensichtlich schlucken. Dann sicherheitshalber nachgefragt: „Wirklich?“ Ja, doch. Wenn’s er es denn belegt haben möchte, gerne auch schwarz auf weiß. Zu den von der Konkurrenz meistgenannten Namen bei den Meistertipps vor dieser Saison gehört – richtig, Eisenhardts TSV Bernhausen. „Wow“, sagt der neue Trainer, „das hätte ich jetzt nicht gedacht.“ So schnell kann es also gehen.

Rückblende: gerade einmal sechs Monate ist es her, dass eben jene Bernhausener auf dem letzten Tabellenplatz dümpelten. Nur zwei Siege aus 17 Spielen. Der Weg schien vorgezeichnet in die Kreisliga A. Schien. Denn dann kamen Corona und der Saisonabbruch, und die „Veilchen“ feierten somit auf wundersame Weise doch noch den Klassenverbleib. Mehr Glück als Verstand, grummeln weniger Wohlgesonnene. Wie ein Hauptgewinn im Lotto, jubeln sie am Fleinsbach selbst. Die Zeit seither hat der Verein in eindrucksvoller Weise genutzt.

Eben neuer Trainer, darüber hinaus neue Abteilungsleitung, neuer Spielleiter, neue Mannschaft. Der Filderclub hat zur Generalrenovierung angesetzt. Dass es auf der Führungsebene einen Wechsel geben würde, war unabhängig von sportlichen Ergebnissen zuvor schon klar gewesen. Dass es obendrein in der kickenden Belegschaft eines Schnitts bedarf, hatte dann spätestens die völlig verkorkste vergangene Runde gezeigt. Die Konsequenz: 15 Spieler sind in diesem Sommer gegangen, 18 stehen neu im Kader. „Ein gewaltiger Umbruch“, sagt Eisenhardt, dessen eigene Verpflichtung bereits ein Ausrufezeichen gewesen war, hatte jener doch bislang ausnahmslos höherklassig gecoacht, zuletzt in der Landesliga beim TV Echterdingen.

Für weiteres Aufhorchen haben nicht wenige der besagten spielenden Einsteiger gesorgt. Die Bernhausener haben nicht gekleckert, sondern geklotzt. Zu nennen ist Michel Forzano, der neue Kapitän. Der 32-Jährige bringt Oberliga-Erfahrung ein (VfL Kirchheim) und soll nun im Mittelfeld der Taktgeber sein. Ebenfalls höherklassig erprobt sind der Innenverteidiger Mahir Ege und der Angreifer Alperen Albayrak. Und auch einen Aris Charalampidis, keine Frage, hätten nicht wenige Clubs gerne in ihren Reihen gesehen – gleichwohl der Torjäger beruflich bedingt wohl erst zur Rückrunde richtig einsteigen wird.

Alles in allem konstatiert Eisenhardt: „Von der Qualität und vom Charakter der Spieler her hätte es nicht besser laufen können.“ Gleiches gilt überwiegend für die Vorbereitung auf die Saison. In der hat das weitgehend neu formierte Team eine erstaunliche Frühform demonstriert. Notiert sind Siege gegen den Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen (2:1), den Landesligisten SV Bonlanden (3:1) sowie zuletzt ein furioses 7:1 im Pokalwettbewerb gegen den Staffelrivalen SV Vaihingen.

Und damit dann zurück zum Votum der Konkurrenz. Klar, auch diese hat die Entwicklung verfolgt. Die spannende Frage ist nun: hat sie mit ihrer Einschätzung recht? Sind die Bernhausener tatsächlich gar gleich ein Spitzenkandidat? Wie Phönix aus der Asche – vom Kanonenfutter zum Höhenflieger?

„Wenn die Mannschaft hoch konzentriert ist, wird sie schwer zu schlagen sein“, sagt Eisenhardt – bemüht sich aber zugleich, die Erwartungen nicht ins Kraut schießen zu lassen. Einstimmig betonen er und der Spielleiter Eugen Uhl: „Wir wissen, wo wir herkommen.“ Nämlich von ganz unten. Heißt: etwas Demut hielten sie durchaus für angebracht. Auch verweist Eisenhardt auf die vielen jungen Spieler im Kader. Jene benötigten Entwicklungszeit – und „nicht zu großen Druck.“

Der Coach selbst, der auf Teamgeist, Leidenschaft und Kompaktheit setzt, hielte „einen einstelligen Tabellenplatz für gut“. Vorerst einmal. Auf weitere Sicht? Da ist dann erneut zunächst Schweigen. Eisenhardt überlegt, ehe er sagt: „Ich bin sehr ehrgeizig.“ Interpretieren darf das jeder selbst.